FORTBILDUNG · STUDIEN DER WOCHE

Physio-Studien vom 23. Oktober 2026

Veröffentlicht

Vier neue Übersichten und Studien: zwei zu Manueller Therapie bei Kniearthrose und Tennisellenbogen, zwei zur Neuroreha bei Schlaganfall und Parkinson. Alle sind klein oder von niedriger bis moderater Sicherheit; sie liefern Hinweise, keine Regeln.

Die Studien im Einzelnen

Manuelle Therapie

Was zeigt eine Metaanalyse zu Manueller Therapie zusätzlich zu Übungen bei Kniearthrose?

Eine Metaanalyse aus 29 randomisierten Studien fand bei Kniearthrose mit Manueller Therapie plus Übungen kurz- und mittelfristig etwas weniger Schmerz und eine bessere Funktion als mit Übungen allein. Langfristig fand sie weder beim Schmerz noch bei der Funktion einen signifikanten Unterschied.

WerMenschen mit Kniearthrose aus 29 randomisierten Studien
WasManuelle Therapie zusätzlich zu Übungstherapie im Vergleich mit Übungstherapie allein
Art der StudieSystematisches Review mit Metaanalyse randomisierter Studien, Bewertung nach GRADE
Wie belastbarWenig belastbar: Die Autoren stufen die Sicherheit der Ergebnisse als sehr niedrig bis niedrig ein; nur der mittelfristige Schmerz erreicht eine moderate Sicherheit. Zur Druckschmerzschwelle fanden sie keine geeignete Studie.

Für die Praxis: Die Auswertung misst beim Schmerz eine mittlere Differenz von −1,30 kurzfristig (95-%-KI −1,74 bis −0,87) und −0,98 mittelfristig (95-%-KI −1,86 bis −0,10) zugunsten der Kombination. Über die mittlere Frist hinaus zeigt sie keinen Unterschied, und die Zahl der Teilnehmenden nennt der Abstract nicht.

Quelle: da Silva VR, Ramalho RB, de Noronha M, et al. Additional Effects of Manual Therapy to Exercise on Pain and Function in Individuals With Knee Osteoarthritis: A Systematic Review and Meta-Analysis.. European Journal of Pain, 1. Oktober 2026. PubMed 42885413 · DOI · Mehr bei KiHire: Manuelle Therapie

Manuelle Therapie

Was zeigt eine Studie zu SNAGs an der Halswirbelsäule bei Tennisellenbogen?

In einer randomisierten Studie mit 52 Personen mit lateraler Ellenbogen-Tendinopathie verbesserten sich Griffkraft, seitliche Pinzettengriff-Kraft, die Beschwerden im PRTEE-Fragebogen und neuropathische Zeichen (LANSS) mit zusätzlichen SNAGs an der Halswirbelsäule stärker als mit dem Reha-Programm allein. Beim Schmerz in Ruhe fand die Studie keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen.

Wer52 Personen mit einseitiger lateraler Ellenbogen-Tendinopathie (Tennisellenbogen)
WasVier Wochen, zweimal pro Woche, konventionelles Reha-Programm mit oder ohne zusätzliche SNAGs (sustained natural apophyseal glides) an der Halswirbelsäule
Art der StudieRandomisierte kontrollierte Studie mit zwei Gruppen, prospektiv registriert
Wie belastbarWenig belastbar: Nur 52 Personen, gemessen wurde nur vor und direkt nach den vier Wochen. Der Abstract nennt weder die Größe der einzelnen Gruppen noch eine Verblindung.

Für die Praxis: Im Vergleich der Veränderungswerte fand die Studie Unterschiede zugunsten der SNAG-Gruppe bei LANSS (p = 0,049), Griffkraft (p < 0,001), seitlicher Pinzettengriff-Kraft (p < 0,001) und PRTEE (p = 0,001), beim Schmerz erst nach Bereinigung um die Ausgangswerte und nur unter Belastung (p = 0,034). Ob die Unterschiede nach Ende der Behandlung bestehen bleiben, untersucht sie nicht.

Quelle: El Melhat AM, Elgayar SL, Elhalawaty AF, et al. Effects of adding sustained natural apophyseal glides on neuropathic pain-related symptoms and clinical outcomes in patients with lateral elbow tendinopathy: A randomized controlled trial.. Physiotherapy Theory and Practice, 20. Oktober 2026. PubMed 42897970 · DOI · Mehr bei KiHire: Manuelle Therapie

Neuro Erwachsene

Was zeigt eine Metaanalyse zur Spiegeltherapie für den Arm nach Schlaganfall?

Eine Metaanalyse aus 21 randomisierten Studien fand nach Schlaganfall mit Spiegeltherapie eine signifikant bessere Armmotorik im Fugl-Meyer-Test (FMA-UE). Für die Handfunktion war der Unterschied klein und hielt der Sensitivitätsanalyse nicht stand, für das Handgelenk war er nicht signifikant.

WerMenschen mit eingeschränkter Armfunktion nach Schlaganfall aus 21 randomisierten Studien
WasSpiegeltherapie für den Arm im Vergleich mit den Kontrollgruppen der einzelnen Studien
Art der StudieSystematisches Review mit Metaanalyse randomisierter Studien, Bewertung nach GRADE
Wie belastbarMittel belastbar: Die Autoren bewerten die Sicherheit der Ergebnisse als moderat bis niedrig. Für einige Zielgrößen gab es nur wenige Studien, und der Befund zur Handfunktion hing an wenigen stark gewichteten Studien.

Für die Praxis: Für die Armmotorik misst die Auswertung eine mittlere Differenz von 5,45 Punkten im FMA-UE (95-%-KI 3,50 bis 7,41), für die Handfunktion 1,16 Punkte (95-%-KI 0,03 bis 2,29). Wie viele Personen insgesamt teilnahmen und ob die Unterschiede anhalten, nennt der Abstract nicht.

Quelle: Man Y, Liu X, Feng X. Mirror therapy for upper limb motor recovery after stroke: a meta-analysis.. Frontiers in Neurology, 6. Oktober 2026. PubMed 42903169 · DOI · Mehr bei KiHire: KG-ZNS nach Bobath, Vojta und PNF

Neuro Erwachsene

Was zeigt eine Netzwerk-Metaanalyse zu Training für Fingergeschick und Armfunktion bei Parkinson?

Eine Netzwerk-Metaanalyse aus 36 Studienberichten mit 1.575 Erwachsenen mit Parkinson fand mit Ausdauertraining und mit aufgabenorientiertem Fingergeschicklichkeitstraining ein besseres Fingergeschick als mit üblicher Versorgung. Einen sehr großen geschätzten Effekt von Mind-Body-Training auf die Armfunktion stufen die Autoren als explorativ ein, weil er auf zwei kleinen Studien mit 53 Personen beruht.

Wer1.575 Erwachsene mit Parkinson aus 36 Berichten randomisierter Studien
WasVerschiedene Trainings- und Rehabilitationsformen und die wöchentliche Trainingsmenge (MET-Minuten pro Woche) im Vergleich mit üblicher Versorgung
Art der StudieSystematisches Review mit Bayes'scher Netzwerk-Metaanalyse und Dosis-Wirkungs-Modell
Wie belastbarWenig belastbar: Die Evidenz ist dünn, die Dosis-Auswertung je Trainingsform zeigte lokale Inkonsistenz, und für die Armfunktion stufen die Autoren die Sicherheit als niedrig ein. Vorhersagen für hohe Trainingsmengen reichen teils über die tatsächlich untersuchten Dosen hinaus.

Für die Praxis: Für das Fingergeschick lag der Effekt bei g = 1,46 für Ausdauertraining (95-%-Glaubwürdigkeitsintervall 0,26 bis 2,69) und bei g = 0,96 für aufgabenorientiertes Fingertraining (0,23 bis 1,67). Eine optimale Dosis oder eine einheitliche Verordnung belegt die Auswertung nach eigener Aussage nicht.

Quelle: Liu BY, Zhuang YX, Zhuang CK, Ruan H. Comparative effects and dose-response relationships of exercise for finger dexterity and upper-limb function in Parkinson's disease: a Bayesian network and model-based dose-response meta-analysis.. Frontiers in Neurology, 5. Oktober 2026. PubMed 42903675 · DOI · Mehr bei KiHire: KG-ZNS nach Bobath, Vojta und PNF

Unsere PubMed-Suche nach neu eingetragenen Arbeiten zu Bobath, Vojta oder „neurodevelopmental treatment“ vom 15. bis 23. Oktober 2026 ergab zwei Treffer, beide Fallberichte ohne Vergleichsgruppe: einer zu Vojta bei einem Neugeborenen mit Atemnotsyndrom, zu dem PubMed keinen Abstract führt, und einer zu einer seltenen genetischen Entwicklungsstörung. Beide stehen deshalb nicht in dieser Ausgabe.

So prüfen wir

Eine KI sucht jede Woche nach neuen Studien und entwirft die Texte. Wir prüfen jede Angabe an der Quelle und nehmen nur auf, was dort steht. Dazu suchen wir selbst in PubMed. Jede Ausgabe gibt Torsten Schollmayer frei und verantwortet sie. Zuletzt geprüft am 23. Oktober 2026.

Unsere eigene Suche lief über alles, was vom 15. Oktober 2026 bis 23. Oktober 2026 in PubMed neu eingetragen wurde und im Titel oder in der Zusammenfassung Bobath, Vojta oder „neurodevelopmental treatment“ nennt. Zu anderen Themen stützen wir uns auf die Studien, die die KI gefunden hat.

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