Was empfiehlt der UEFA-Konsensus zu Kreuzbandverletzungen im Frauenfußball?
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Was ist neu: Die UEFA hat zwei Konsensus-Papiere zur vorderen Kreuzbandverletzung im Frauenfußball veröffentlicht, online vorab am 14.10.2026 in der Fachzeitschrift Science and Medicine in Football. Teil 1 behandelt Risikofaktoren und Prävention, Teil 2 Rehabilitation, Rückkehr ins Spiel und die Sicht der Spielerinnen. Beide Teile entstanden mit der RAND-UCLA-Methode und einem modifizierten Delphi-Verfahren über drei Abstimmungsrunden.
Teil 1 (Prävention): Ein Panel aus 31 Ärzt:innen, Sportwissenschaftler:innen, Physiotherapeut:innen und einer Spielerin hat 101 Aussagen aus der Literatur bewertet und sich auf 88 geeinigt. Laut Leitlinie entstehen Kreuzbandverletzungen im Frauenfußball meist ohne Gegnerkontakt, bei Richtungswechseln, Pressing oder Landungen. Als beeinflussbare Faktoren nennt sie Defizite in neuromuskulärer Kontrolle, Kraft und Bewegungsqualität. Als wirksamste Form bezeichnet sie Mehrkomponenten-Programme mit plyometrischen Übungen, Kraftübungen und Übungen zur proximalen Kontrolle, zwei- bis dreimal pro Woche für 15 bis 20 Minuten; die zugrunde liegende Evidenz zeigt eine Senkung kontaktloser Kreuzbandverletzungen bei hoher Programmtreue.
Teil 1 (Umsetzung): Die Leitlinie nennt als Hürden knappe Ressourcen, Zeitmangel und fehlende Schulung der Trainer:innen. Sie empfiehlt, Programme gemeinsam mit Trainer:innen und Spielerinnen zu entwickeln, in das reguläre Training einzubauen und durch Verein und Verband abzusichern.
Teil 2 (Reha und Rückkehr): Ein Panel aus 26 Fachleuten aus Sportmedizin, Physiotherapie, Orthopädie und Leistungsdiagnostik hat 180 Aussagen bewertet und sich auf 170 geeinigt (94 %). Das Panel spricht sich für eine kriterienbasierte Progression aus, die sich an klinischen und funktionellen Meilensteinen orientiert statt an festen Zeiträumen. Als zentralen Meilenstein nennt es die wiederhergestellte Quadrizepskraft. Dazu kommen Tests zur neuromuskulären und psychischen Bereitschaft und eine stufenweise Rückkehr, die körperliche und kognitive Spielanforderungen schrittweise steigert. Angst vor erneuter Verletzung, Motivation, Kommunikation und Unterstützung im Umfeld nennt die Leitlinie als wichtige Einflüsse auf die Genesung.
Für wen: Die Leitlinie richtet sich an medizinisches und leistungsdiagnostisches Personal im Frauenfußball. Für Praxen mit Sportphysiotherapie ist sie eine Referenz, um eigene Präventions- und Reha-Abläufe im Fußball abzugleichen: Welche Übungsgruppen ein Präventionsprogramm enthält, wie oft es läuft, und nach welchen Kriterien eine Reha-Phase in die nächste übergeht.
Grenzen: Es handelt sich um eine Konsensus-Leitlinie, die Literatur mit Expertenurteil verbindet; sie ist keine systematische Übersicht mit Bewertung der Evidenzsicherheit je Empfehlung. Sie gilt für den Frauenfußball; ob sie auf andere Sportarten, auf Männer oder auf den Breitensport übertragbar ist, beantwortet sie nicht. Die Wirkung der Präventionsprogramme hängt laut Leitlinie an hoher Programmtreue. Beide Teile sind online vorab erschienen; geprüft wurde gegen die veröffentlichten Zusammenfassungen, nicht gegen den Volltext. Die Leitlinie ersetzt keine individuelle Befundung.
Quellen und Prüfstand
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