Was empfiehlt die deutsche Fassung der US-Physiotherapie-Leitlinie zu Osteoporose?
Neu hinzugefügt
Was ist neu: In Deutschland gab es laut den Autor:innen bisher keine eigene Leitlinie für die physiotherapeutische Behandlung von Menschen mit Osteoporose. Eine Gruppe um die HSD Hochschule Döpfer hat deshalb die Leitlinie der Academy of Geriatric Physical Therapy (APTA Geriatrics, USA) von 2022 ins Deutsche übertragen. Die deutsche Fassung trägt die Version vom 12.02.2026 und ist frei abrufbar; den Weg dorthin beschreibt ein Fachartikel, online erschienen am 12.10.2026 in Frontiers in Rehabilitation Sciences und seit 27.10.2026 in PubMed gelistet.
Wie sie entstand: Die Gruppe hat 873 Treffer gesichtet, zwei passende Leitlinien mit dem Bewertungsinstrument AGREE II geprüft und die US-Leitlinie ausgewählt. Die Übersetzung lief über zwei KI-Programme und eine Zusammenführung, danach haben vier Fachleute, drei Physiotherapeut:innen und zwei Menschen mit Osteoporose die Entwürfe geprüft. Angepasst wurde laut Artikel nur wenig, zum Beispiel kam ein Glossar hinzu; die Empfehlungen selbst hat die Gruppe laut Artikel nicht verändert. Die Original-Leitlinie leitet ihre Empfehlungen aus der schottischen SIGN-Leitlinie von 2021 ab.
Was sie empfiehlt: Gemessen wird in allen Empfehlungen der Rückgang der Knochendichte, getrennt nach Hüfte und Lendenwirbelsäule. Für Frauen nach der Menopause nennt die Leitlinie für die Hüfte langfristiges statisches gewichtstragendes Training wie den Einbeinstand sowie angemessen dosiertes, progressives Krafttraining, allein oder kombiniert mit Impact-Training wie Gehen, Joggen oder Aerobic; für die Lendenwirbelsäule Gehen, Tai-Chi, progressives Krafttraining und Kombinationen davon. Für Frauen vor der Menopause nennt sie Training mit hoher Stoßbelastung wie Joggen und Kombinationen aus Impact- und Krafttraining. Jede dieser Empfehlungen trägt den Empfehlungsgrad B bei moderater Qualität der Evidenz. Für Männer spricht die Leitlinie mangels Evidenz keine Empfehlung aus.
Wo sie unterscheidet: Laut Diskussion der Leitlinie empfehlen die zugrunde liegenden Daten für Frauen nach der Menopause hohe Krafteinwirkungen nur in gestützten oder sitzenden Positionen, im Stand und beim Gehen dagegen geringe. Für Frauen vor der Menopause gilt das nicht. Ein Glossar ordnet die Begriffe wie gewichtstragend, nicht gewichtstragend und Impact-Training mit Übungsbeispielen ein.
Für wen und was prüfen: Die Leitlinie richtet sich an Physiotherapeut:innen, die Menschen mit vermuteter oder bestätigter Osteoporose behandeln. Praxen können mit ihr abgleichen, welche Trainingsformen ihre Programme für diese Gruppe enthalten und ob sie nach Lebensphase und Körperregion unterscheiden. Sturzrisiko und Frakturen behandelt die Leitlinie ausdrücklich nicht; sie verweist dafür auf eine eigene Sturz-Leitlinie der APTA und für den deutschsprachigen Raum auf die Empfehlungen der Bundesinitiative Sturzprävention. Daneben gibt es die deutschsprachige DVO-Leitlinie zu körperlichem Training und Frakturprophylaxe, die laut Artikel in den zentralen Trainingsaussagen übereinstimmt, aber nicht als Physiotherapie-Leitlinie angelegt ist.
Grenzen: Alle Empfehlungen beruhen auf der Knochendichte als Messgröße, nicht auf Frakturen, Stürzen oder Lebensqualität. Laut Leitlinie hatten die zugrunde liegenden Studien methodische Schwächen, keine verglich zwei Trainingsformen direkt, und keine untersuchte gezielt die Sicherheit bei Menschen mit hohem Risiko. Die Literatursuche für die Auswahl der Leitlinie endete im März 2025. Die beiden Patient:innen, die die Empfehlungen gelesen haben, hielten einzelne Übungen wie progressives Krafttraining oder Joggen für sich persönlich nicht umsetzbar. Die Leitlinie ist eine übersetzte und adaptierte Fassung, keine AWMF-Leitlinie, und ersetzt keine individuelle Befundung.
Quellen und Prüfstand
Geprüft am
Weiterlesen
Alle Meldungen zu Übungen · Alle Meldungen zu Prävention · Aktuelles & Studien